Neue Medien in der Schule und der mediale Habitus

Medienpädagogik – was verstehen wir darunter?

Ein Unterricht ohne Medien ist in unserer heutigen Zeit nicht mehr denkbar und auch nicht mehr Zeitgemäß. Die Schülerinnen und Schüler sollen während ihrer Schulzeit verschiedene Kompetenzen erwerben. Hierzu zählen u.a. die Sozial-, Handlungs-, Fach- oder aber auch die Medienkompetenz. Nach einer sehr allgemeinen Definition sind Medien Mittel zur Darstellung oder Verbreitung von Informationen. Medien im Unterricht lassen sich definieren als ein Kommunikationsmittel in Lehr-Lern-Prozessen, welche eine vermittelnde Aufgabe zwischen den Lernenden und dem Lerngegenstand übernehmen (vgl. Riedl, S. 227). Da Medien oft Informationen in „irgendeiner Weise selektieren und oft auch Wertungen vornehmen“ (ebd.), können sie in einer Gesellschaft stark die Meinungsbildung beeinflussen. Für die Arbeit und den Einsatz mit Medien im Unterricht ergeben sich in diesem Kontext „zwei grundsätzlich zu unterscheidende Zugangsdimensionen“ (vgl. Riedl, S. 228). Die Medienpädagogik umschließt als Oberbegriff die beiden Teilaspekte der Medienerziehung und der Mediendidaktik. Beide Teile sind als getrennt zu betrachten, da sie innerhalb der Medienpädagogik als eigene Forschungsbereiche stehen (ebd.). Die Medienerziehung geht den Fragen nach der „verantworteten und reflektierten Nutzung von Medien“ (ebd.) durch ein Individuum nach. Die Mediendidaktik beschäftigt sich mit dem Thema des Medieneinsatzes im Unterricht. Sie geht vor allem der Frage nach wie ein Lehr-Lern-Prozess durch einen sinnvollen Medieneinsatz unterstützt werden kann (vgl. Tulodziecki, S. 292.). Doch was für Medien werden im Schulunterricht in unserer heutigen Zeit verwendet? Schaut man genauer hin, dann muss unterschieden werden  zwischen Medien (klassisch) und Neue Medien. Zu den klassischen Schulmedien lässt sich u.a. das Schulbuch, die Tafel oder eine Bildprojektion mittels des Overheadprojektors einteilen. Neue Medien u.a. das interaktive Whiteboard, I-Pads oder aber auch Lernprogramme, die sich mittels des Computers abspielen lassen.

Eigener Erfahrungsbereich

In meiner Schulzeit wurde die Intensivität der Verwendung von Neuen Medien erst mit der steigenden Klassenstufe stärker. So wurde in der Grundschule bzw. in der Sekundarstufe 1 in der Regel nur die Tafel, das Schulbuch oder eine CD zum Abspielen von Inhalten verwendet. Ab der 10. Klasse kam zum allgemeinen Unterricht noch der Informatikunterricht dazu. In diesem Unterricht wurde man an die Neuen Medien herangeführt. U.a. lernte ich wie  PowerPoint Präsentationen erstellt werden sowie den Umgang mit Excel. Hierbei ist zu sagen, dass ich diesen Informatikunterricht nicht gebraucht hätte, da ich mich in meiner Freizeit schon mit diesen Themen befasst hatte. Erst in der E- bzw. Q-Phase wurde der Informatikunterricht für mich interessant, da ich hier das Programmieren auf C++ und Visual Basic lernte. Der Einsatz von Neuen Medien wurde im Unterricht lediglich auf PowerPoint Präsentationen und dem Internet beschränkt. Die Schule lehrte uns nicht wie man denn mit den Neuen Medien umzugehen habe. Sie versuchte es mit den Standardprogrammen. Doch dieser Versuch schlug  fehl, da die meisten sich mit dem Internet auskannten und Neue Medien selber ebenfalls in der Freizeit verwendeten. An dieser Stelle glaube ich ebenfalls, dass die Schule immer nur mit den Standardprogrammen mitgeht. Versucht das Feuer zu löschen, welches die Schülerinnen und Schüler entfachen. Ich glaube, dass es daran liegt, dass sich viele Lehrkräfte   den (Mehr-) Aufwand (in der Vorbereitung vor allem) nicht tätigen wollen. Hier glaube ich aber, dass sich durch den Einsatz von unterschiedlichen Medien ein “lukrativ“ besserer Unterricht führen lässt. Ein Unterricht, der der heutigen Zeit gerecht wird. Ein Unterricht, der die Medien verwendet, die auch die Schülerinnen und Schüler in der Freizeit verwenden. Doch welche Medien verwenden die Schüler in der Freizeit überhaupt?

Jugendliches Medienhandeln

JIM Studie (2013)
Aus der Jim Studie (2013) wird ersichtlich, dass die Neuen Medien eine große Rolle in der Freizeitbeschäftigung der Jugendlichen spielen. Hierbei steht das Internet und das Handy (heute spricht man eigentlich von Smartphone) an erster bzw. zweiter Stelle. Eine strikte Trennung von Internet und Handy lässt sich mit dem Smartphone durch Apps wie beispielsweise WhatsApp meiner Meinung nach nicht mehr richtig kategorisieren. Da beide Medienarten voneinander abhängig sind. Jedoch auch die klassischen Medien wie Radio, Zeitschriften oder Bücher liegen hoch im Kurs der Jugendlichen. Durch die ständige Nutzung und der daraus resultierenden Freizeitbeschäftigung ergibt sich ein neues Lehrfeld für die Schule. Die Medienerziehung in den Neuen Medien. Auf der einen Seite muss die Schule den Schülerinnen und Schülern erklären bzw. lehren, welche Gefahren hinter der Verwendung eines bestimmten Mediums stecken können und auf der anderen Seite die Vorteile aufzeigen und diese für den Unterricht nutzen.

Der Mediale Habitus

Der Mediale Habitus (vgl. Moser Podcast) ist bei Schülerinnen und Schülern in der Regel ausgebauter als bei Lehrkräften, die mit dieser Art von Medium nicht groß geworden sind. Jedoch muss sich eine Lehrkraft auf diese Neuen Medien einlassen. Ebenfalls müssen sich Lehrkräfte über Neue Medien weiterbilden, um diese ädaquat im Unterricht einsetzen zu können. Die Verwendung von Medien im Unterricht darf nicht gänzlich an der Realität vorbeigehen, denn der Unterricht kann hierdurch auch einen Gewinn ziehen. Die Schülerinnen und Schüler bemerken somit auf der einen Seite, dass die Medien, die sie in der Freizeit verwenden nicht nur Medien sind, womit sie sich beschäftigen, sondern, dass es auch Medien sind, mit denen man lernen kann. Hier muss die Schule, im Einzelnen die Lehrkraft, bereit sein sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Die Lehrkraft muss sich dafür immer Hinterfragen, welchen Medialen Habitus sie denn mitbringt. Für mich kann ich sagen, dass mein Medialer Habitus ausgeprägt ist. In meiner Freizeit verwende ich viele Neue Medien jedoch auch in der Universität. Ob es nun das Lesen der Onlinezeitung ist oder das Ansehen von Onlinevorlesungen. Feststellbar ist, dass ich diese Verwendung (auch meine Einstellung dazu)  in meinem späteren Lehrberuf transportieren kann. Denn Schule ist nicht nur das Lernen von Wissen, sondern auch das Lernen und Lehren von Kompetenzen.

Verwendete Literatur:

  • Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2013): Jugend, Information, (Multi-) Media – Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart. URL:  http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf13/JIMStudie2013.pdf [Zugriff: 25.10.2014]
  • Riedl, Alfred: Grundlagen der Didaktik. 2. Auflage, Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2010.
  • Tulodziecki, Gerhard: Unterricht mit Medien. Funktionen von Medien im Unterricht. In: Wiechmann, Jürgen (Hrsg.): Handbuch Unterricht. 2. Auflage, Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt 2009, Seite 291-297.
  • Medienwelten: Medienbildung an der PH Zürich – Vortrag von Heinz Moser. http://www.medienwelten-podcast.de/vortragheinzmoser/[Zugriff: 25.10.2014]

Autor: Marcel Hanitzsch (2014) im Rahmen des Seminars „E-Learning-Projekt“ (Informationspädagogik) an der Technischen Universität Darmstadt

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