Bring your own device – Please mind the gap

Das Thema Bring your own device (kurz BYOD) ist ein nicht mehr ganz neues Konzept aus den USA, bei dem die Mitarbeiter eines Unternehmens ihre privaten mobilen Endgeräte mit in das Unternehmen bringen um dort damit zu arbeiten. Bei einem ähnlichen Konzept namens Corporate Owned Personally Enabled (kurz COPE) wird das Endgerät durch das Unternehmen zur Verfügung gestellt. Beide Konzepte, vorwiegend aber BYOD finden inzwischen Anklang in deutschen Schulen, wo Schülerinnen und Schüler ihre eigenen mobilen Endgeräte, wie Laptops, Tablets oder auch Smartphones in den Unterricht mitbringen um damit zu arbeiten. Klingt eigentlich nach einer guten Idee… finanzielle Entlastung der Schulen (Hard- und Software), bessere Identifizierung der SuS mit ihrem eigenen Equipment und oftmals ist die Hardware ohnehin in den Haushalten (oder Schultaschen) der SuS vorhanden. Was spricht denn eigentlich noch gegen dieses Konzept? Die Frage möchte ich wenigstens zum Teil am Beispiel des Unterrichtsalltags an meiner Berufsschule beantworten.

Soziale Schwierigkeiten
Zwar besitzen inzwischen viele Schülerinnen und Schüler eigene mobile Endgeräte, jedoch gibt es aber auch einige wenige SuS, bei denen die finanzielle Situation des Elternhauses die Anschaffung eines (zeitgemäßen) Gerätes nicht erlaubt. Dadurch besteht die Gefahr, dass das soziale Gefüge Schulklasse ins Wanken gerät und die betroffenen SuS ins Abseits geraten. Es sollte daher im Vorfeld sensibel abgeklärt werden, wie die Ausstattungssituation in den Haushalten der Schülerinnen und Schüler aussieht um eine solche Situation zu vermeiden.

Technische Schwierigkeiten
Der Einsatz von Computern im Unterricht setzt ein hohes Maß an Medienkompetenz bei den Lehrkräften voraus. Durch den Einsatz von heterogenen Systemen werden diese Kompetenzen umso mehr benötigt. Bei eventuellen Abstürzen von Programmen oder Systemen im Unterricht müssen Lehrkräfte sowohl in der Lage sein, kleinere Probleme bei Bedarf zeitnah zu beheben, dass die betroffenen SuS nicht den Anschluss an den Unterricht verlieren bzw. Leerlaufzeiten bei den anderen Schülerinnen und Schülern entstehen. Darüber hinaus besteht die Gefahr, dass die von den Schülern verwendeten Programme untereinander nicht kompatibel sind und Gruppenarbeiten somit gefährdet sind. Lehrkräften die BYOD in ihrem Unterricht einführen möchten sollten deshalb für solche Situationen immer einen Plan-B in ihrem Konzept berücksichtigen.

Organisatorische Schwierigkeiten
Technische Geräte benötigen grundsätzlich Strom… und nicht jeder Schüler wird zu Beginn des Unterrichts einen geladenen Laptop mitbringen. Darüber hinaus halten gerade bei Laptops die wenigsten Akkus einen vollen Schultag durch. Der Unterrichtsraum muss deshalb mit einer ausreichenden Anzahl an Steckdosen und Verlängerungsleitungen ausgestattet sein. Dabei stoßen wir aber auf das nächste Problem: die Schulordnung. In vielen Schulordnungen ist das Betreiben von schulfremden Geräten prinzipiell untersagt. Dazu zählt neben dem Anschließen an die Steckdose vor allem das Anbinden (per WLAN oder Leitung) an das Schulnetzwerk. Deshalb: vor BYOD unbedingt einen Blick in die Schulordnung werfen und ggf. den Schulleiter konsultieren.
Für den Fall, dass die Schule bereits für BYOD gewappnet ist verfügt sie meistens auch über eine Nutzungsordnung für den Einsatz privater Laptops. An meiner Schule ist das der Fall. Die Schülerinnen und Schüler bzw. deren Eltern müssen eine Nutzerordnung unterzeichnen und damit bestätigen, dass sie darüber in Kenntnis gesetzt wurden, dass ihre Internetaktivitäten personenbezogen gespeichert werden.

Fazit
Auch wenn heute viele Argumente für den Einsatz von BYOD in Schulen sprechen, gibt es im Vorfeld einige Dinge zu klären und zu berücksichtigen. Mein Tipp: binden Sie sowohl Kolleginnen und Kollegen als auch die Schulleitung ein, bevor Sie BYOD in ihrem Unterricht praktizieren.

Autor: André Ploch (2014) im Rahmen des Seminars “E-Learning-Projekt” (Informationspädagogik) an der Technischen Universität Darmstadt.

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