Wie wir immer mehr zugemüllt werden …

„Es sieht so aus als säße sie nur da. Dann passiert etwas unglaubliches!“

„Karl-Heinz und 2 weiteren Freunden gefällt Bild.de“ (Schlagzeile folgt)

„Diese fünf Lebensmittel niemals essen, wenn Sie abnehmen wollen“

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Wer kennt sie nicht? So oder so ähnlich klingen die lästigen Werbeanzeigen und Spammeldungen, die uns täglich in den sozialen Netzwerken (ich beziehe mich hier speziell auf Facebook) erreichen. Und ich habe das Gefühl, dass es immer mehr werden.

Ein Blick zurück: Facebook änderte im letzten Jahr einmal mehr seine AGBs und veränderte die Funktionsweise der Newsfeeds. Laut Betreiber sollte dadurch die Anzahl der Werbeposts reduziert werden, Posts von Freunden dafür wieder mehr in den Vordergrund gerückt werden. Unter anderem reduzierte das Unternehmen erneut die Reichweite der Posts, die z.B. Bands machen. Daran lässt sich erkennen, dass es (wie immer) nur um das Geschäft geht und nicht um die Interessen der Nutzer von sozialen Netzwerken. Wie komme ich zu dieser Meinung? Ich bin selbst Musiker und weiß, dass es immer schwieriger wird, die Fans zu erreichen. Zwar haben diese entsprechende Seite geliked, und ich gehe deswegen davon aus, dass sie auch Neuigkeiten von diesen interessieren, aber erreichen kann man sie immer öfter nur noch, wenn man Facebook Geld bezahlt, um die Beitragsreichweite zu boosten.

Ein schöner Zug von Facebook. So genannte „Werbeanzeigen“ wurden restricted. Der User kann nun nicht mehr selbst entscheiden, welche Informationen er wirklich haben möchte oder nicht. Er bekommt einfach durch einen Algorithmus diktiert, ob er einen Post etwa seiner Lieblingsband angezeigt bekommt, oder nicht. Alles schön und gut, aber wo ist das Problem? Ist doch alles zu verkraften.

Diese Politik seitens Facebook hat weitreichende Konsequenzen, die auch den Bereich der Medienpädagogik betreffen und eine Gefahr für die Demokratie darstellen. Zum einen sehe ich eine immer stärkere Monopolisierung. Große Unternehmen können sich die Werbeanzeigen und Beitragsboosts leisten und nutzen dies auch aus. Es findet also eine Verschiebung in Richtung „Vorteil der Großen“ statt. Zum anderen verfehlt das soziale Netzwerk immer mehr seinen Sinn, falls es jemals einen solchen Sinn gehabt hat, den ich hier unterstelle. Aus der Sicht eines Users besteht der Sinn für mich darin, mit Freunden zu kommunizieren und News von Unternehmen, Bands und Personen zu erhalten, die mich interessieren. Dieser Sinn wird massiv untergraben und durch Geldmacherei und Müll (Spam) verdrängt. Sinnvolle Meldungen, die unser Zusammenleben und unsere Zukunft betreffen, werden durch „Fake-Sensationsmeldungen“ verdrängt, die keine inhaltliche Relevanz haben und nur darauf aus sind, Klicks auf bestimmten Websites zu generieren. Ich fühle mich bei Facebook immer stärker so, als hätte ich gerade RTLII eingeschaltet. Der eigentliche Sinn der sozialen Netzwerke (und das ist der Sinn interpretiert nach Betreiberseite): Geldmacherei, kommt immer mehr zum Vorschein. 

Aus der medienpädagogischen Perspektive betrachtet, scheint für mich wichtig zu sein, dass den Schülerinnen und Schülern in der Schule zumindest deutlich gemacht wird, dass wir es bei sozialen Netzwerken inhaltlich und an sich mit Monopolen (oder zumindest mit starken Oligopolen) zu tun haben. Die Großen schlucken die kleinen. Je mehr Menschen bei einem Anbieter sind, desto größer ist die Anziehungskraft für andere Menschen. Alternativen werden sofort aufgekauft. Beispiele aus den vergangenen Jahren gibt es genügend. Zu nennen wären hier im deutschsprachigen Raum der Untergang von „Wer-Kennt-Wen“ bedingt durch Facebook. Ebenso ging es den ganzen „VZs“. Wirtschaftlich folgte letztes Jahr die Übernahme von WhatsApp durch Facebook etc.

Eine ganz andere Qualität der Monopolisierung findet in Form von Gedankenkontrolle statt. Facebook schneidet den Newsfeed auf Interessen zu. Als würde es nicht schon genügen, dass wir unseren Interessen entsprechend Seiten geliked haben und deswegen allein schon überproportional viele News und Posts zu diesen Themen bekommen. Nein, Facebook registriert unsere Interessen und zeigt uns zusätzlich viele Posts, die nicht unseren Interessen entsprechen, gar nicht mehr an. Eine kritische Perspektive wird somit durch das Netzwerk untergraben. Wer sich also durch seine Aktivität im sozialen Netzwerk zu bestimmten Themen schon positioniert hat, wird fast ausschließlich Feeds von der entsprechenden Position erhalten. Das führt zur Bestätigung der eigenen Position durch selektive Wahrnehmung, für die der Nutzer nicht einmal mehr selbst verantwortlich ist.

Über diese Probleme gilt es meiner Meinung nach die Schülerinnen und Schüler aufzuklären und die indirekten Gefahren von sozialen Netzwerken aufzuzeigen. Im Sinne der Demokratie und der Bildung von mündigen Subjekten halte ich das für äußerst notwendig und bisher für vernachlässigt.

veröffentlicht von Sven im Rahmen des E-Learning Projekts im WS14/15 an der TU-Darmstadt

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