Tablets im Unterricht und die Rollenveränderung der Lehrkräfte

Einige Schulen in Deutschland verwenden im Rahmen von Pilotprojekten Tablets im Unterricht. Laut Luise Ludwig arbeiten derzeit etwa 160 Schulen (Stand: 7. August 2013) regelmäßig mit den Tablets im Unterricht (vgl. Hoffmann und Ludwig 2013).

Lerntheorie und die Rollenveränderungen:

Die Verwendung von Tablets im schulischen Unterricht entspricht dem konstruktivistischen Modell. „Der Konstruktivismus ist eine Theorie der Entstehung des Wissens von den Dingen, also eine Art Erkenntnistheorie, in welcher der aktive Prozess der Wissensentstehung betont wird“ (Stangl, 2009). Denn wie Meixner und Müller (2001, S. 18) beschreiben, ist der „konstruktivistisch organisierte Unterricht schülerzentriert. Der Lehrer dient als Anreger und Unterstützer […].“ Die Autoren schildern somit die veränderte Rolle des Lehrers. Sie erwähnen, dass sich zeitgleich durch die neue Rolle des Lehrers auch die Rolle der SuS verändert. Die SuS „sind aus der gewohnten rezeptiven Position in eine Rolle zu versetzen, in der sie den Lernstoff selbstständig, aktiv und eigenverantwortlich entdecken“ (ebd.). Somit wird der strukturierte und lehrerzentrierte Unterricht durch die Verwendung von Tablets zu einem schülerzentrierten Unterricht. Gemäß der Aussage von Thissen fördert somit das Tablet „das eigenständige Lernen, das Gruppenlernen und das eigenverantwortliche Lernen“ (Thissen 2013, S. 92). Dadurch, dass das Tablet das eigenständige und selbstorganisierte Lernen fördert, tritt die Rolle des Lehrers als Wissensvermittler immer mehr in den Hintergrund.

Vor- und Nachteile der Rollenveränderung:

Meiner Ansicht nach ist diese Veränderung positiv zu bewerten, denn die Lehrperson verfügt dadurch über mehr Zeit, um individueller auf die SuS einzugehen und ihnen bei Problemen behilflich zu sein. Jedoch ist auch zu bedenken, dass die Autorität der Lehrkräfte in Frage gestellt werden könnte. Denn durch die Kommunikation mit anderen Mitschülern und die Verfügbarkeit des Internets im Unterricht, haben die SuS die Möglichkeit selbst ihre Wissensinhalte zu schaffen. Dies ist zum einen positiv, doch aus Perspektive der Kritiker zugleich negativ zu bewerten,  da sich die Lehrkräfte und Schüler durch den Einsatz des Tablets stärker auf Augenhöhe begegnen (vgl. Groebel/Wiedermann 2012, S. 75). Aber kann die Verfügbarkeit des Internets wirklich eine Lehrkraft ersetzen?

Vermittlung von Medienkompetenz:

An dieser Stelle ist auch die Vermittlung von Medienkompetenz erwähnenswert. Das beinhaltet zum einen den kritischen und zum anderen den verantwortungsvollen Umgang mit den Neuen Medien. Interessant finde ich in diesem Kontext, dass viele SuS den Umgang mit Neuen Medien durch ihren Alltag bereits kennen und es dadurch für die SuS viel relevanter ist, die Inhalte aus dem Internet zu hinterfragen und nach ihrem Wahrheitsgehalt zu prüfen. Manfred Spitzer (2012, S. 211) kritisiert, dass es „jungen Menschen schwer fällt, die Bedeutung unterschiedlicher Quellen zu bewerten, sie können zwischen der Qualität guter Quellen (z.B. wissenschaftliche Studien) und schlechter Quellen (Meinungsäußerungen) oft nicht unterscheiden.“ Meiner Ansicht nach sind an dieser Stelle die Lehrkräfte gefragt, die Medienkompetenz vermitteln sollen, um genau diesen genannten Aspekten entgegenzuwirken.

Schließlich ist zu erwähnen, dass die medienpädagogische Bildung der Schlüssel ist, um die Tür zur kommenden medialen Lehr- und Lernwelt zu öffnen. Demzufolge wird im Laufe der Zeit die Bedeutung der Medienpädagogik stetig steigen.

Quellen:

Groebel, J./Wiedermann, J. (2012): Metastudie der BSP Business School Berlin Potsdam. Digitale Lernwerkzeuge. Potsdam. URL: http://www.businessschool-berlin-potsdam.de/fileadmin/layouts/bs-potsdam/2011/Download/BSP_Studie_Final__2_.pdf (30.01.2015).

Ludwig, L./Hoffmann, A. (2013): Tablet-Schulen in Deutschland. URL: http://www.tablet-in-der-schule.de/2013-05-30/tablet-schulen-in-deutschland (30.01.2015).

Meixner, J./Müller, K. (Hrsg.) (2001): Konstruktivistische Schulpraxis-Beispiele für den Unterricht. Neuwied; Kniffel; Luchterhand: Luchterhand Verlag.

Spitzer, M. (2012): Digitale Demenz – Wie wir uns und unsere Kinder um den Verstand bringen. München: Droemer Verlag.

Stangl, W. (2009): Die konstruktivistischen Lerntheorien. URL: http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/LerntheorienKonstruktive.shtml (30.01.2015).

Thissen, F. (2013): Mobiles Lernen in der Schule. Zweite erweiterte Auflage. Als E-Book, URL: http://www.frank-thissen.de/ibook_gut.pdf (30.01.2015).

Autorin: Gülsah Kilic (2015) im Rahmen des Seminars “E-Learning-Projekt” (Informationspädagogik) an der Technischen Universität Darmstadt

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