Eine Woche ohne Smartphone!

„Haltestelle Pallaswiesenstraße“

Ich steige in die Straßenbahnlinie 7 Richtung Arheilgen ein, um mich mit einem Freund zu treffen. Was macht man in der Straßenbahn, wenn man alleine unterwegs ist? Richtig, sein Smartphone aus der Tasche holen und schauen was so in der Großen weiten Welt des Internets los ist.

„Haltestelle Rhönring“

Leute steigen aus und ein. Ich bekomme noch mit wie sich neben mir jemand auf den Platz setzt. Ich schaue auf mein Smartphone und habe ein Interessantes Video auf Facebook entdeckt.

„Haltestelle Nordbahnhof“

Das Video ist echt zum schießen! Wie viele Menschen in der Bahn sind weiß ich nicht.

„Haltestelle Merck“

Das geniale Video muss geteilt werden. Ich muss das kommentieren. Ohh, eine Nachricht in WhatsApp und noch eine. Ich muss antworten. Die Bahn fährt weiter. Ich bekomme das mit.

„Haltestelle Maulbeerallee“

Puh. Geteilt ist das Video. Kommentiert auch. Jetzt WhatsApp Nachrichten beantworten. Komischerweise antworten auch die anderen schnell. Die Bahn fährt weiter. Ich bekomme von der SpiegelApp ein Push-Nachricht. Da ich ein mündiger Bürger bin, habe ich natürlich mehrere Nachrichten-Apps. ARD schickt mir jetzt auch eine Pushnachricht, dass die EZB eine Entscheidung getroffen hat. Ich habe es registriert. Antworte in WhatsApp fleißig weiter. Die Bahn fährt. Ich bin hoch konzentriert und vertieft auf mein Smartphone. Was um mich herum passiert? Keine Ahnung! Dafür habe ich jetzt keine Zeit, denn Freundschaften müssen gepflegt werden. Sinnlose Nachrichten verschickt werden. Ich habe ja nicht umsonst 1 GB Datenvolumen im Monat. Und es ist Ende des Monats. Da geht noch was. Ohh, nein! Kein Empfang. Ich schaue raus und sehe, dass ich zu weit gefahren bin. Mist. Nächste Haltestelle raus und die zwei Stationen zurücklaufen, denn die Bahn in die andere Richtung kommt erst in einer halben Stunde.

Diese Situation erlebte ich neulich in der Straßenbahn. Diese Situation hat mich zum Nachdenken gebracht. Habe ich schon ein „Smartphone-Nacken“? Ein „Smartphone-Daumen“? Da ich experimentierfreudig bin, dachte ich mir: „Komm schon! Die Fastenzeit hat begonnen und eine Woche wirst du doch ohne Smartphone schaffen!“

Mein Experiment beginnt: An einem Montag lege ich mein Smartphone in ein Schubfach im Schreibtisch und ich hole mein altes Nokia 3310 heraus. Ich denke mir, dass es doch bestimmt noch funktioniert. Und siehe da: Es funktioniert. Ich bin also erreichbar über ein Handy und kein Smartphone. Eine klassische SMS tut es auch. Sie kostet Geld bei meinem Vertrag. Also werde ich Ressourcenschonend umgehen. Die Zeit ohne Smartphone ist schon ungewöhnlich. Ich muss mich neu orientieren. Überlegen wie ich die Zeit an der Haltestelle ohne mobiles Internet überbrücke (oder überstehe?).

Ich treffe mich wieder mit einem Freund in Arheilgen:

„Haltstelle Pallaswiesenstraße“

Ich steige ein und suche mir einen Sitzplatz. Am besten vor dem Fahrgastfernsehen denke ich mir. Ich schaue drauf und was sehe ich? Nichts! Alles schwarz. Defekt! Okay. Ich schaue aus dem Fenster. Sehe die Stadt an mir vorbeiziehen.

„Haltestelle Rhönring“

Schüler steigen ein und aus. Eine ältere Dame benötigt Hilfe beim einsteigen. So Hilfsbereit wie ich bin helfe ich ihr und biete meinen Platz an. Ob sie vielleicht letzte Woche auch in derselben Bahn war wie ich? Die Bahn fährt los. Ich komme ins Gespräch mit der Dame.

„Haltestelle Nordbahnhof“

Die Dame ist nicht scheu! Sie erzählt und erzählt und ich höre zu und antworte auch. Ein nettes Gespräch.

„Haltestelle Merck“

Wir reden weiter…

„Haltestelle Maulbeerallee“

Und weiter…

„Haltestelle Im Fiedlersee“

…. und weiter….

„Haltestelle Fuchsstraße“

Die Dame muss aussteigen. Ich bin natürlich weiter Hilfsbereit und helfe gerne beim aussteigen. Die Bahn fährt an und ich schaue mich in der Bahn um. Viele Menschen hier. Viele die mit dem Smartphone beschäftigt sind. Kaum einer redet miteinander.

„Haltestelle Löwenplatz“

Nicht mal die beiden Freunde, die sich gegenübersitzen kommunizieren wirklich miteinander. Beide sind vertieft in ihrem Smartphone.

„Haltestelle Messelerstraße“

Ich habe mein Ziel erreicht! Pünktlich und ohne zu weit zu fahren.

Aus der Jim Studie lässt sich erkennen, dass immer mehr Jugendliche sich mit dem Smartphone beschäftigen. Aus den Medien können wir erfahren, dass es von Jahr zu Jahr neue Umsatzrekorde beim Smartphoneabsatz in Deutschland gibt. Das Smartphone ist ALLGEGENWÄRTIG! Mit ihm kann man viele praktische Dinge erledigen. Ich will und möchte dieses WUNDERBARE-Medium hier nicht verteufeln, denn dafür nutze ich es selber viel zu oft. Nur worüber wir nachdenken sollten ist, ob wir es immer brauchen. Egal an welchem Tag und egal zu welcher Uhrzeit.

Macht mal die Erfahrung und legt euer Smartphone in der Bahn weg und beobachtet wie viele damit beschäftigt sind. Ich fand es erschreckend. Für mich persönlich habe ich ausgemacht, dass ich das Smartphone in der Bahn nicht mehr allzu oft verwenden möchte. Vielleicht komme ich ja auch öfters in nette Gespräche, wie neulich mit der älteren Dame.

Quelle: http://www.mpfs.de/index.php?id=631 (Zugriff 1.3.2015)

Autor: Marcel Hanitzsch (2015) im Rahmen des Seminars “E-Learning-Projekt” (Informationspädagogik) an der Technischen Universität Darmstadt.

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ein Kommentar

  1. Hallo Marcel,

    Deine Überlegungen über das Phänomen Smartphone kann ich absolut nachvollziehen. Du sprichst mir sozusagen aus der Seele. Gerade in den öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Nutzung von Smartphones bei einem überwältigenden Anteil der Fahrgäste sichtbar. Positiver Nebeneffekt hierbei: Der Geräuschepegel ist deutlich niedriger als zu Zeiten, in denen es noch keine Smartphones gab (Ausnahme: SuS an Bord). Besonders deshalb, weil alle mit Lesen, Games zocken, FB-Profil pflegen, Status liken oder Inhalte posten auf ihrem Smartphone beschäftigt sind. Und somit das Smartphone zum absoluten Kommunikationskiller geworden ist. Ich selbst habe mich vergleichsweise lange geweigert vom normalen Handy zum multimedialen Smartphone zu wechseln. Aber ich muss zugeben, dass ich relativ schnell daran gewöhnte und die Annehmlichkeiten dieser Geräte schätzen lernte. Man ertappt sich immer wieder dabei, dass man ständig (auch unnötig) am Smartphone herumspielt, oftmals nach der Devise: immer informiert sein, immer informieren, bloß nichts verpassen. Dabei kann man die Zeit in der Bahn oder im Bus auch anders (wohl vielfach auch sinnvoller) nutzen, etwa in einem richtigen Buch lesen oder tatsächlich mit dem Gegenüber ein Gespräch führen (besonders dann, wenn man sich kennt). Da der durchschnittliche Smartphoneuser auch zusätzlich noch über Kopfhörer in den Ohren verfügt, kommt es zu einer Abschottung von der Umwelt, was leider dann dazu führt, dass man nicht mehr mitbekommt, was Drumherum passiert. Man sollte also wirklich versuchen, maßvoller mit der Nutzung zu verfahren. Auch wenn es manchmal wirklich schwer fällt. Schließlich ging es früher ja auch ohne Smartphone (und sogar ohne Handy).

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