Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren….

Damals, als die Gummistiefel noch aus Holz waren…

2015-05-07 15.30.24

Wie war das noch…?

Alleine dieser Spruch ist Beweis dafür, wie einen Elemente aus der Kindheit und Jugend prägen können, denn ich habe ihn in meiner eigenen Kindheit oft gehört und er kommt mir noch heute immer wieder ins Gedächtnis, wenn ich das Wort „damals“ höre, oder darüber berichten soll. Nun geht es heute aber darum, wie uns die medialen Schulerfahrungen von „damals“ geprägt haben, also werde ich erst einmal ein wenig über meine Erinnerungen berichten.

Beginnen wir in meiner Grundschulzeit, so muss ich sagen, kann ich mich an keinen großen Medieneinsatz erinnern. Das kann natürlich daran liegen, dass Medien im Klassenzimmer in den 90er Jahren und insbesondere in der Schulform Grundschule noch nicht so sehr verbreitet waren (ich würde noch heute die These aufstellen, dass der Medieneinsatz in Grundschulen hinter dem in anderen Schulformen, insbesondere weiterführenden Schulen zurückbleibt) oder es mag auch einfach daran liegen, dass ich mich nicht wirklich erinnere.

Aus meiner Zeit auf der weiterführenden Schule, einem Gymnasium, sind mir jedoch noch mediale Einsätze in Erinnerung geblieben. Neben dem IKG Unterricht der 5. Und 6. Klasse, in dem wir idealerweise das 10-Finger Schreiben auf der Tastatur und das benutzen einer Diskette (WoW…was ist das nochmal?) lernen sollten, also der Unterricht selbst über ein Medium stattfand, ist mir der gute alte Overheadprojektor im Gedächtnis geblieben. Dieser und auch vereinzelt erste PowerPoint Präsentationen prägten meine Mittelstufenzeit.

Die große Sensation meiner Oberstufenzeit war zweifelsohne das Whiteboard. Hieran konnte man sehr gut die Spaltung der Lehrerschaft hinsichtlich neuen Medien betrachten. Die einen, die begeistert waren, sich damit auseinandersetzten, sie nutzten, entstandene Bilder speicherten und den Schülerinnen und Schülern digital zur Verfügung stellten und diejenigen, die sich geradezu vor dem „Ding da“ zu grausen schienen und es zu allem Überfluss sogar noch mit den nicht abwaschbaren Whiteboard-Markern malträtierten. Ebenfalls in der Oberstufe kam ich das erste Mal mit dem Thema Online Lehrplattformen, namentlich Moodle, in Kontakt. Dies wurde aber nur von einem meiner Lehrer genutzt und ich persönlich hatte immer Angst etwas zu verpassen, was ich nicht als Ausdruck in die Hand bekomme, da ich zu dieser Zeit noch recht wenig online war und alles Neue bezüglich Internet als zunächst höchst verwirrend und somit sehr argwöhnisch betrachtete.

Somit sind meine persönlichen Erfahrungen mit Medieneinsatz aus der Schulzeit recht rar gesät und beschränken sich größtenteils auf den guten alten Overheadprojektor.

Auch ich ertappe mich noch heute immer wieder dabei, skeptisch gegenüber neuer medialer Möglichkeiten zu sein. Sicherlich würde eine intensivere Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten medialen Einsatzes zu einer Änderung dieser Einstellung führen, letztlich war diese Auseinandersetzung für mich bisher aber kaum relevant, da ich erst wenige Unterrichtsmaterialien und Stunden tatsächlich frei selbst geplant habe und dort die medialen Einschränkungen meist recht groß waren. Was den Einsatz von Blogs oder Facebook angeht, bin ich ein völlig unbeschriebenes Blatt, jedoch ist für mich das Thema Datenschutz sehr wichtig, was mich wiederum auch oft sehr zurückhaltend agieren lässt. Gerade deshalb ist dieses Seminar aber auch so interessant für mich, da ich vermutlich viel Neues lernen werde und Vorurteile überprüfen kann.

OER – unsere Chance?

Neben diesem reinen Bericht von „damals“ möchte ich nun aber auch den angebenden Blog-Text in meine Ausführungen mit einbeziehen. Eine der großen Fragen, die mir im Zuge meines Lehramtsstudiums begegnet ist, ist die Frage nach der Beschaffung und Verwendung guten Unterrichtsmaterials. Dabei fand ich es einmal schade, dass Kopieren irgendwie immer unter der Hand des Copyrights nach dem Prinzip „keiner hats gesehen“ passiert.  Andererseits denke ich, würde das Teilen von selbst entwickelten Materialien, deren Erprobung und Anpassung offen zwischen Lehrkräften ein riesiges Potential, auch zur Verbesserung der Unterrichtsqualität und zur Entlastung der Lehrkräfte, mit sich bringen. Mal ehrlich, wer entwickelt denn gerne irgendetwas Tolles und stellt es dann in den Schrank? Wer ist nicht schon mal beim Planen von Unterricht auf das Problem gestoßen, dass irgendwie nicht ganz klar zu sein scheint, ob Materialien verwendet werden dürfen und welche Bedingungen dafür gelten? Stehen Lehrer denn immer mit einem Bein im „Copyright-Knast“?

Dass es Interesse an offenen Unterrichtsmaterialien zu geben scheint, zeigt der Blogbeitrag recht deutlich, nur wie oft in Deutschland steht dem flächendeckenden Interesse auch das föderale System im Wege. Höchste Zeit also, dass solche Projekte auch in anderen Fächern, Klassenstufen und Bundesländern entwickelt werden! Doch auch hier gilt: Traut euch! Und das scheint nicht so einfach. Viele sind vermutlich verunsichert, haben noch nie Lehrmaterialien veröffentlich und haben Angst vor Kritik oder wissen schlichtweg nicht, wie sie ihre Materialien und Ideen in die Öffentlichkeit bringen können. Vielleicht wäre es daher sinnvoll, sich mal bei den im Blog beschriebenen offenen Büchern umzusehen und einfach mitzumachen, Kollegen anzusprechen, Ideen zu kommunizieren.

Dennoch gibt es einen ganz entscheidenden Punkt, der mich hinsichtlich der OER Lehrmaterialien bewegt…was sagen eigentlich die Lehrbuchverlage dazu? Gibt es da nicht deutlichen Widerstand und große Angst, dass dadurch die Geschäfte mit den geschützten Lizenzen einbrechen? Und noch eine Sache: Wie kann gewährleistet werden, dass es bei öffentlichen Lehrmaterialen, die auch bearbeitet werden können, immer eine Redaktion oder eine „Aufsicht“ gibt, die für Qualität der Materialien sorgt?

Und nu…?

Fragen über Fragen, die es vielleicht in den folgenden Sitzungen auch zu besprechen gilt.

Insgesamt komme ich also zu dem Fazit, dass ich selbst aus meiner Schulzeit nur begrenzten Medieneinsatz kenne und auch heute noch oft eher argwöhnisch und ablehnend (à la: viel zu kompliziert) an neue mediale Möglichkeiten herangehe. Da ich aber das Problem mit den Lizenzen für Lehrmaterialien auch für mich erkannt habe und mich als offenen Menschen betrachte, wäre eine breiteres Bewusstsein unter Lehrern über diese Möglichkeiten der OER ein Schritt, Vorurteile abzubauen und neue Anhänger zu gewinnen, so wie auch ich mich vor dieser grandiosen Möglichkeit nicht verschließen möchte. Denn auch ich lerne gerne neues dazu und gerade dann, wenn die neu gewonnen Möglichkeiten die zuvor befürchtete Anstrengung übertreffen, bin ich schnell Feuer und Flamme.

 

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