Mit Knete und Kreide war alles besser!?

I. Unterrichtsmedien und – werkzeuge in meiner Schulzeit

Während meiner Schulzeit habe ich mir über den Medieneinsatz kaum Gedanken gemacht. Was die Lehrkraft vorgab und verwendet hat, nahm man so an.

Dennoch sind mir im Nachhinein einige unterschiedliche Medien Erinnerung geblieben. Wohl deshalb, weil diese zu häufig eingesetzt wurden oder um Zeit zu gewinnen, weil man mit dem Stoff durch war oder, weil die Technik nie so klappen wollte, wie es sich die Lehrkraft vorstellte.

Ich möchte bereits mit dem Medieneinsatz in meiner Grundschulzeit beginnen, da als erstes Medium nicht die Tafel, sondern Knete zur Visualisierung von Lerninhalten verwendet wurde.Man verwendete Knete, um beispielsweise die Uhr zu visualisieren oder, um den Umgang mit Buchstaben zu lernen. Hierzu kneteten wir das Alphabet und setzten Buchstaben zusammen. Alle Schülerinnen und Schüler kamen damit gut zurecht und konnten aktiv lernen.

Welches Glück wir damit hatten, stellte sich erst im weiteren Verlauf meiner Schullaufbahn heraus, als deutlich wurde, wie schwierig es ist immer das richtige Medium zu verwenden um Lerninhalte zu vermitteln.

Auf der weiterführenden Schule wurden die Tafel und der Overhead Projektor am häufigsten genutzt. Besonders zum Einstieg in den Unterricht wurden Karikaturen aufgelegt. Sämtliche Grafiken wurden am Overhead gezeigt, eine farbige Folie war schon etwas Besonderes. Alles Weitere wurde an die Tafel geschrieben oder im Buch nachgelesen und herausgearbeitet. Auf die Nutzung der herkömmlichen Medien möchte ich jedoch gar nicht näher eingehen, sondern erzählen, welche anderen Formen der Medienverwendung mir besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Unser Kunstlehrer setzte zum Zeigen von Gemälden immer Dias ein. Diese hatte er in einem einzelnen Zimmer aufbewahrt und setzte sie zusätzlich als Disziplinarmaßnahme ein. Ich kann mich an kein einziges Dia mehr erinnern, nur an die Stunden, an denen Schülerinnen und Schüler Dias sortieren mussten, weil sie über die Stränge geschlagen hatten. Dass dieses Medium demnach seinen Zweck der Vermittlung von Unterrichtsinhalten erfüllt hat ist ausgeschlossen.

In den Naturwissenschaften wurde neben langweiligen Folien und abschreiben immerhin Experimente durchgeführt. Es wurde ausprobiert und gemischt. Besonders im Biologieunterricht wurden gerne Filme geschaut, um den Schülerinnen und Schülern komplexe Themen näher zu bringen. Meist mit wenig Erfolg, den Metabolismus können die meisten wohl bis heute nicht.

Eine Anekdote möchte ich noch hinzufügen, die sich auf den Italienischunterricht in der 10. Klasse bezieht.

In Italienisch haben wir oft Kassetten mit Sprachaufnahmen gehört, sowie italienische Lieder. Eros Ramazzotti – hoch und runter. Die Lehrerin wollte, dass wir den Text mithören und ihn anschließend nachsingen. Das witzige dabei ist, dass sie uns den schriftlichen Text vor dem Hören ausgeeilt hatte und wir nur ablesen mussten. Das Hörverständnis blieb demnach außen vor. Anschließend übersetzen wir das Lied und damit war die Lerneinheit beendet. Sicherlich half es uns Schülerinnen und Schüler Vokabeln zu lernen und einzelne Passagen zu verstehen, aber der Lernerfolg in Bezug auf das Sprachverständnis bleibt fraglich.

Neben den klassischen Medien Tafel und Over Head, die sich allen Fächern kaum unterschieden haben, sind mir also ein paar „außergewöhnliche“ Medien in Erinnerung geblieben. Leider muss ich sagen, nicht besonders positiv.

 II. OER in der Schule: Was nun?

Die Idee der OER ist sicherlich eine zukunftsfähige und gute Lösung für den Medieneinsatz an der Schule. Während den Schulpraktischen Studien war ich zuletzt an einer Berufsschule, die neue Whiteboards installiert hatte. In meinem Fachbereich Körperpflege hat man durch Whiteboards die Möglichkeit Bilder, Fotografien und beispielsweise chemische Reaktionen zu visualisieren, um den Lehrstoff besser vermitteln zu können. Schülerinnen und Schüler könnten die Möglichkeit haben selbst Bilder von ihren Arbeiten zu machen und diese ihren Mitschülerinnen und Mitschülern zur Verfügung zu stellen. Besonders im Bereich Körperpflege ist es wichtig, mit Bildern und Fotografien ästhetische Aspekte zu erarbeiten. Erstellte Frisuren und Make Up könnten gemeinsamen innerhalb der Klasse ausgetauscht und besprochen werden. Lehrbücher bieten nur selten geeignete oder ausreichende Bilder. Lehrkräfte suchen dann meist Bilder aus dem Internet, zu denen sie keine Quellen angeben. Auch zu Scans aus Lehrbüchern werden meist keine Quellen angegeben. Zudem haben Scans oft eine schlechte Auflösung, da sich viele Lehrkräfte kaum mit der nötigen Technik auskennen. Das Konzept der OER könnte hier hilfreich sein.

Innerhalb des OER können sich also Lehrkräfte, sowie Schülerinnen und Schüler an einer Fülle an Material bedienen und gegenseitig austauschen. Mit Hilfe des OER haben Schülerinnen und Schüler ebenso die Möglichkeit unseriösen Informationen aus dem Weg zu gehen. Lehrkräften hilft es, neue Arbeitsblätter zu erstellen und auf veraltetes Material zu verzichten. Da ausreichend geeignetes Material gefunden werden kann, wird es zukünftig einfacher sein Material für Arbeitsblätter zu bekommen und kreativer in der Unterrichtsgestaltung zu werden. Auch der Austausch von Unterrichtsmaterial innerhalb des Lehrerkollegiums kann angeregt werden, wenn viele Zugänge zu solchen Datenbanken haben.

An dem Video störte mich jedoch, dass ich ihm auch nach mehrmaligem ansehen nicht ganz folgen konnte. Die Frage nach den Lizenzen bleibt offen, welche Lizenzen kombinierbar sind und welches Material kompatibel ist. Wie lange muss ich also suchen, um kombinierbare Lizenzen zu finden und lohnt sich am Ende der Zeitaufwand? Eine weitere Frage, die sich mir stellt, wäre inwieweit man rechtlich gefährdet ist falsch mit den Lizenzen umzugehen. Ich denke daher, dass es viel Zeit kostet mit OER umgehen zu können. Es könnte schnell zu Frustrationen kommen und die Lehrkraft würde letztlich wieder auf klassische Medien wie die Tafel zurückgreifen. Vorzuschlagen wären Fortbildungen innerhalb der Schulen zu OER, so, wie es mit Whiteboards auch stattfindet.

Ich könnte mir vorstellen, dass es auf Dauer einfacher ist selbst Bilder zu machen und diese dem Klassenverband oder dem Lehrerkollegium zur Verfügung zu stellen, bevor ich als Lehrkraft lange nach geeigneten Bildern innerhalb des OER suche. Dies wäre auch für die Schülerinnen und Schüler im Bereich Körperpflege von Vorteil, wenn sie ihre Arbeiten fotografieren würden und zur Verfügung stellen könnten. Somit würde der Austausch von Unterrichtsmaterialien wesentlich vereinfacht und das Feedback zur Unterrichtsgestaltung würde zunehmen.

Ein Kritikpunkt an OER ist zudem, dass alle Schülerinnen und Schüler eine ausreichend technische Ausstattung bedürfen, um Zugang zu OER zu erhalten und damit arbeiten zu können. Die Verbreitung von Wissen ist damit nur denen möglich, die hochentwickelte Technik besitzen. Andererseits ist den Schülerinnen und Schülern, wie aus dem Blogeintrag „Das erste offene deutschsprachige Schulbuch ist online – und jetzt?“ hervorgeht die Möglichkeit gegeben aktiv an der Gestaltung von Material mitzuarbeiten und damit an der Schaffung von Wissen demokratisch mitzuwirken.

 III. Fazit

Aus Sicht der Medienpädagogik wird deutlich, dass sich die Möglichkeiten zum Medieneinsatz im Schulalltag stark verändert hat. Diese Aussage möchte ich jedoch relativieren. Im Bereich der Medienpädagogik gibt es sehr viele neue Ansätze und Möglichkeiten neue Medien im Schulalltag einzusetzen, in der Praxis bleibt dies allerdings minimal. Aus meiner eigenen Erfahrung an der Berufsschule habe ich mitgenommen, dass sich der Medieneinsatz noch immer auf Tafel und Overhead konzentriert. Sicherlich gibt es einzelne Lehrkräfte, die vermehrt PCs und Whiteboards einsetzen und kaum noch mit der Tafel arbeiten. An meiner Hospitationsschule waren dies jedoch nur vereinzelte Lehrerinnen und Lehrer.

Es liegt auch in der Hand der Schule und allen weiteren zuständigen Institutionen, den Lehrerinnen und Lehrern Fortbildungen anzubieten und sie für neue Medien zu sensibilisieren.

Aus meiner Sicht ist die Entwicklung neuer Medien ein passendes Werkzeug, um den Lehrstoff verständlich zu vermitteln und die Schülerinnen und Schüler zu begeistern. Allerdings bedarf es einen gezielten Umgang. Auch in der Ausbildung angehender Lehrkräfte bedarf es Nachholbedarf. Es gibt viele neue Möglichkeiten, die Tafel und Arbeitsblätter überflüssig machen. Allerdings kann es sein, dass viele Lehrerinnen und Lehrer darauf zurückgreifen, wenn sie mit neuen Medien Misserfolge erzielt haben oder ihnen der Zeitaufwand zu groß ist.

Ich fände es sinnvoll, wenn Lehrkräfte ihre Unterrichtsmaterialien digitalisieren würden und Lehrkräften, sowie Schülerinnen und Schülern aus dem jeweiligen Kurs zur Verfügung stellen würden. Gerade in kreativen Berufen oder Unterrichtsfächern wie Kunst könnte vermehrt mit Bildern und Fotografien gearbeitet werden. Der Unterricht würde allgemein kreativer und ansprechender werden.

Der Titel dieses Textes „Mit Knete war alles besser“, soll verdeutlichen, dass Unterrichtsmaterialien, die keine technische Ausstattung verlangen ebenso kreativ und ansprechend sein können. Sie bleiben meist in Erinnerung. Dennoch kann die Zeit nicht stehen bleiben und der Medieneinsatz muss sowohl an die Altersstufe, als auch an das Anforderungsprofil der Schülerinnen und Schüler angepasst werden. Im Zeitalter der Digitalisierung können wir uns nicht verschließen, sondern müssen damit umgehen lernen, wie wir als Lehrkräfte diese neuen technischen Möglichkeiten nutzen können. Wir werden in der Lage sein unseren Unterricht zu verbessern, weil wir mehr Feedback bekommen und wir können Schülerinnen und Schüler gezielter und vermehrt an der Wissensschaffung innerhalb des Unterrichtes teilhaben lassen. Der freie Zugang zu Informationen hat einen demokratischen Aspekt und öffnet neue Wege, Bildung für alle Menschen gleich zugänglich zu machen. Wissen wird demnach demokratisiert und öffentliches Gut.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: