Portfolio 2.0 – Was bietet ein Portfolio und wo liegen die Vorteile des Onlineportfolio?

Portfolio…ein Begriff, auf den nahezu ein jeder Schüler in seiner Schulzeit stößt, der auch in der Lehramtsausbildung immer wieder auftaucht, dessen genaue Wurzeln und Intentionen leider dennoch viel zu oft in den Hintergrund treten. Doch gerade deshalb lohnt es sich, einen genaueren Blick auf das Portfolio zu werfen, seine Einsatzmöglichkeiten zu bedenken und darüber zu reflektieren, welche Möglichkeiten sich durch neue Medien und gerade das Internet in Bezug auf das Portfolio ergeben.

 

Portfolio Bild

 

Was ist ein Portfolio?

Das Wort Portfolio, welches aus dem italienischen Stammt und übersetzt ein tragbares Blatt bezeichnet, dient zur Darstellung und Sammlung verschiedenster Materialien (vgl. Häcker 2006a, 27f). Über seine Anfänge in der Renaissancezeit, in der vor allem Künstler und Architekten dieses Format nutzen, um die eigen Arbeit und Entwicklung darzustellen, über den modernen Einsatz im Finanzsektor, wo es zu Kosten und Risikoaufstellungen sowie Datensammlung dient, bis zu seinem Einzug in den schulischen Kontext, in dem es vor allem zur alternativen Leistungsbewertung und einer damit einhergehenden Abkehr von der reinen Leistungsbewertung durch Darstellung der Entwicklungsschritte eines Schülers/einer Schülerin beitragen soll, ist das Portfolio in seinen Wurzeln zu verfolgen (vgl. Häcker 2006a, 27f). Grundsätzlich existieren vielfältige Arten von Portfolios, die sich in Gestaltung und Benennung nach seinem Zweck, seiner intendierten Darstellung bestimmter Inhalte, nach der Zeitdauer der Führung oder auch nach den Entscheidungen, denen es hinsichtlich der Bewertung unterliegt, richten (Häcker 2006b, 37f).

Portfolio und Schule

Das Portfolio lässt sich somit schon in seiner rein tragbaren Papierform im schulischen Kontext vielfältig nutzen, beispielsweise, wenn im Schreibtraining Prozesse der Planung und Überarbeitung sichtbar gemacht werden sollen, aber auch in anderen Fächern oder fächerübergreifend sind Portfoliokonzepte denkbar, die Bearbeitungs- und Entwicklungsprozesse oder auch komplexe Produkte der Schülerinnen und Schüler (SuS) sichtbar machen können.

Hin und wieder werden jedoch auch Stimmen laut, die bemängeln, dass es schwierig sei, Einblicke in die Portfolioarbeit der SuS schon während der Bearbeitungsprozesse zu erlangen, will man nicht nach jeder Stunde einige der Portfolios einsammeln und mühevoll zuhause betrachten. Diese Einblicke wären aber wichtig um nachzuvollziehen, ob das Portfolio auch wirklich zielgerichtet genutzt wird.

Portfolio 2.0

Gerade an dieser Stelle jedoch liegt der Vorteil online geführter Portfolios. Sie ermöglichen der Lehrkraft in einem geschützten Raum (wie etwa dem passwortgeschützten Mahara) die Bearbeitungsschritte der SuS direkt mitzuerleben, ohne die Produkte einsammeln zu müssen. Zudem haben sie durch den vereinfachten Zugang die Möglichkeit, zielgenaue Unterstützung leisten und auf konkrete Fragen der SuS direkt eingehen zu können, da die Produkte und seine Entwicklungsschritte jederzeit abrufbar und präsent sind. Für die SuS selbst ergibt sich die Möglichkeit, sich die Arbeiten und Produkte der anderen anzusehen, sie zu kommentieren und sich Inspirationen einzuholen, sollte es einmal an Ideen mangeln.

Wichtiges und Regeln

Dabei sind natürlich auch einige Dinge zu beachten, damit eine solche Arbeit gut und für alle gewinnbringend verlaufen kann. Zum einen müssen klare, transparente und verbindliche Regeln eingeführt werden, wie mit den Inhalten und dem Portfolio umzugehen ist, welche Erwartungen und Ziele an die Erarbeitungen und späteren Produkte gerichtet sind und welche zeitlichen Vorstellungen mit den Aufgaben jeweils einhergehen. Auch sollten die SuS dafür sensibilisiert werden, dass es zwar in Ordnung ist, sich Anregungen in den Erarbeitungen der anderen SuS zu holen, dass Ideen und Entwicklungen aber nicht einfach übernommen und als eigene Ideen ausgegeben werden dürfen. Zudem sollten die SuS durch die quasi ständige Präsenz der Lehrkraft, die die Möglichkeit hat, Produkte und Zwischenschritte jederzeit einzusehen, nicht verunsichert werden. Hier ist es besonders wichtig, ein Vertrauensverhältnis zu den SuS aufzubauen, damit sie sich nicht in ihrer freien Arbeit durch die potenzielle Beobachtung gehindert fühlen. Je nach Klasse könnte also auch der Lehrer den SuS gegenüber die Verpflichtung eingehen, nur zu bestimmten Zeiten oder nach Ankündigung in die Produkte Einsicht zu nehmen oder aber Kriterien der Erarbeitung und Bewertung werden so klar kommuniziert und festgelegt, dass die SuS den Einblick des Lehrers nicht als potentiell störende Beobachtung, sondern als hilfreiche Stütze empfinden.

 

Fazit

Schon das traditionelle Portfolio auf Papier bietet viele für die Schule und insbesondere die alternative Leistungsbewertung interessante Möglichkeiten. Um jedoch einen umfassenden Einblick in die Prozesse und Einzelschritte der Erarbeitungen durch SuS zu bekommen und auf Fragen direkt und gezielt reagieren zu können, bietet sich der Einsatz internetgestützter Portfolioprogramme an. Dies darf jedoch, wie alle methodischen und didaktischen Überlegungen und Instrumente, niemals unreflektiert geschehen, weshalb Faktoren wie genauen Absprachen, Transparenz und Vertrauen im Portfolioprozess 2.0 eine große Rolle zukommen.

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