Die Kehrseite der Medaille

Das digitale Lernen an Schulen wird heutzutage als „Unterricht 2.0“ verkauft. Das suggeriert, dass es ein update sei, ja eine Verbesserung der Lehr-/Lern Situation. Für mich jedoch bleibt die Frage, was eigentlich genau verbessert werden soll und vor allem, warum es in digital/ interaktiver Form besser ist? Vielmehr empfinde ich es als Alternative, deren Wert sich erst noch bewähren muss. Alle digitalen Lernmedien, welchen ich in diesem Modul begegnet bin (Blog, Lernquiz, Moodboard) können entsprechend auch durch analoge, klassische Verfahren und Methodiken umgesetzt werden. Leider kann ich die Vorteile, die die neuen Medien mit sich bringen sollen nicht sehen und die Auseinandersetzung mit Unterricht 2.0 hat mich nicht überzeugt, darin eine vielversprechende Option für mein zukünftiges Lehrerdasein zu sehen. Daher im Folgenden noch einige zentrale Kritikpunkte:


 

Durch die Verwendung von digitalen Medien ist der Schüler einer deutlichen zeitlichen Belastung ausgesetzt. Er ist nicht mehr nur in der Schule und während seinen Hausaufgaben angehalten sich mit den Lerninhalten auseinanderzusetzen, sondern ist über entsprechende chat-/blog-/ und ähnlichen Kommunikationsmedien gewissermaßen permanent erreichbar. Das hat zur Folge, dass vom Schüler flexiblere Leistungszeiten erwartet werden. Mit anderen Worten steigt der Leistungsdruck und die Belastung der Schüler. Der Schüler verliert wichtige Ruhephasen, dadurch steigt das Stresslevel. Den Schülern, welchen sowieso schon mehr abverlangt wird als nötig, geht durch diese allseitige Verfügbarkeit für Lehrer/ Mitschüler und den enstprechenden Lerninhalten und dem dadurch einhergehenden Belastungsstress ein weiteres Stück Kindheit verloren. Denn bei aller globalisierter, leistungsorientierter Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, sind Schüler doch immernoch in erster Linie Kinder, welche eine sorgenfreie und unbeschwerte Kindheit genießen dürfen sollen.

Digitale Lernen ist zeitintensiver als klassisch analoges. Entsprechende Inhalte müssen oft erst umständlich im Internet gesucht werden, die seriösen müssen von den weniger seriösen Quellen herausgefiltert werden und Zeit (und Nerven) gehen für design und Formatierung drauf. Wem ist damit geholfen?

Ich habe weiterhin große Zweifel an der Lerneffizienz. Wenn ich für eine Klausur lerne, nehme ich mir am liebsten das Fachbuch zur Hand und arbeite damit. Denn alle relevanten Inhalte sind dort auf einen Blick zusammengefasst.

Zu guter Letzt noch ein Wort zur Lernumgebung. Die Lernumgebung in der man für gewöhnlich lernt hat Einfluss auf die Effizienz des Lernens. Durch den räumlichen Wechsel kommt es zu einem mentalen Wechsel der Lernbereitschaft („Ich setze mich an meine Hausaufgaben“). Wenn ich jedoch jederzeit von überall Lernen kann, besteht die Gefahr, dass die Leistung „nebenbei“ erbracht wird. Man nimmt sich nicht mehr die Zeit dafür, seine ganze Aufmerksamkeit für einen gewissen Zeitraum aufzubringen. Dadurch lernt man weniger effektiv. Lern- und Ruhephasen vermischen sich.

 

 

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